714 - 741 Karl Martell - Hausmeier

 

[711 - 714 Araber setzen von Nordafrika aus zur spanischen Halbinsel über und vernichten das dortige Westgotenreich]

 

- ab 720 Angriffe der Araber auf das Frankenreich von der Spanischen Halbinsel aus

 

17.-25. Oktober 732 Schlacht bei Poitiers - Die vereinigten Heere der Franken und Langobarden ( aus Italien ) schlagen die Araber entscheidend ( bis um 760 nur noch einige Raubzüge im Süden )

 

In dieser geschichtlichen Epoche war es besonders wichtig, daß das Reich unter einem Hausmeier, also mit vereinter Kraft den Arabern gegenüber treten konnte.

Es gibt in letzter Zeit jedoch Diskussionen darüber, ob die Araber tatsächlich das Frankenreich ihrem Kalifat einverleiben wollten und die Schlacht bei Poitiers damit eine der großen "Schicksalsschlachten" war, oder ob der Angriff im Jahre 732 vielleicht doch nur einer der vielen Raubzüge der Araber war.

Aus diesem Grunde möchte ich diese Schlacht bei Poitiers einmal genauer untersuchen:

 

Fest steht, daß Karl Martell die Langobarden um Unterstützung bei der Abwehr der Araber bat. Er verfügte damit über ein Heer von etwa 15.000 Mann und stand einem Araberheer von etwa 20.000 Mann gegenüber (siehe Quelle. Die Quellenangaben zu den Truppenstärken sind leider sehr unterschiedlich. Es gibt auch Quellen, die die Heeresstärke der Franken mit 30.000 Mann beziffern).

 

Zunächst zum Hergang selbst:

Der Anlaß für den Angriff der Araber im Jahre 732 ist überliefert. Der aquitanische Herzog Eudo hatte sich mit dem abtrünnigen Berberfürsten Munnuz verbündet, der jedoch von seinen arabischen Nachbarn besiegt wurde. Nun  überschritten die Araber auch die Pyrenäen und griffen Aquitanien an. Plündernd und brandschatzend zogen die Araber nach Norden und machten auch vor Poitiers nicht halt. Auch diese Stadt wurde erobert und geplündert. Damit standen sie bereits im Zentrum Galliens. Als sie auch Tours an der Loire bedrohten, stellte sich ihnen Karl Martell am 17. Oktober 732 mit seinem fränkischen Reiterheer entgegen. Sieben Tage soll die Schlacht gedauert haben, wobei die meiste Zeit aus Taktieren bestand.  Am 25. Oktober 732 wurden die Araber dann besiegt und zogen sich eilig unter hohen Verlusten über die Pyrenäen zurück. Auch ihr Heerführer Abd El-Rahman wurde dabei getötet.

 

Zur Bewertung dieser Schlacht muß man sich die Eroberungszüge der Araber insgesamt anschauen:

Mohamed hatte bis zu seinem Tod im Jahre 632 fast die gesamte Arabische Halbinsel vereinigt. Seine Nachfolger, die Kalifen griffen nun die Nachbarländer an und eroberten sie ganz oder teilweise. Zuerst griffen sie offenbar Persien (Sassanidenreich), das sie restlos eroberten,  und Syrien an, das zum Byzantinischen Reich gehörte. Dabei siegten Araber 636 in der Schlacht am Yarmuk über 80.000 Byzantiner.

Danach drangen die Araber etwa 100 Jahre lang in allen Richtungen solange immer weiter vor, bis sie auf so großen Widerstand stießen, daß ihnen ein weiteres Vordringen unmöglich war oder zu aufwendig erschien.

 

Für mich stellt sich die Bedeutung der Schlacht bei Poitiers so dar:
Karl Martell hatte das Frankenreich zwar weitgehend geeint, aber anscheinend regierte Herzog Eudo Aquitanien, nominell zum Frankenreich gehörend, noch weitgehend autonom. Dieser verbündete sich mit den Berbern, die allem Anschein nach mit dem Arabern in Konflikt geraten waren, und versuchte so, seine Machtstellung weiter zu stärken und sich vor weiteren Übergriffen der Araber zu schützen, die besonders ab 725 Aquitanien schwer bedrängten. Jedoch unterlagen die Berber im Kampf gegen die Araber, die nun auch Eudo von Aquitanien auszuschalten versuchten. Die Araber griffen das Herzogtum an und Eudo floh zu Karl Martell. Auf ihrem Zug eroberten und plünderten die Araber mehrere Städte, bis sich Karl Martell ihnen entgegenstellte und sie besiegte und damit ihren Vormarsch nach Norden stoppte.


Ich würde die Schlacht durchaus als bedeutsam werten, da es im Zuge der Ausschaltung Eudos durch die Araber zu einer Herauslösung Aquitaniens aus dem Frankenreich und Eingliederung ins Kalifat hätte führen können, was eine empfindliche Schwächung des Frankenreiches in seiner Verteidigungsfähigkeit bedeutet hätte und damit auch der Anfang vom Ende des Frankenreiches selbst.